Slawische Burganlagen auf der Insel Usedom (5)


Benz, Mellenthin, Neppermin, Usedom, Stolpe


Benz (Vemutung)

In einer Wiesenniederung bei Benz auf der Insel Usedom liegt ein flaches, langgestrecktes Plateau, das von fast allen Seiten mit Gräben umgeben ist. Es hat eine Ausdehnung von etwa 100 m x 50 m und ist noch einen Meter hoch erhalten geblieben. Unter einigen Bodendenkmalpflegern wird dieses Areal als slawischer Burgwall gedeutet. Professionelle archäologische Untersuchungen fanden hier noch nicht statt (Stand 2018), daher muss vorerst offen bleiben, was dieser Platz verbirgt.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Mellenthin

Etwa einen Kilometer nördlich von Mellenthin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) befinden sich die gut erhaltenen Überreste einer „feldbergzeitlichen“ Höhenburg. Es handelt sich um eine etwa 5 ha große eingliedrige Anlage mit spitzovalem Grundriss. Die slawischen Erbauer errichteten den Burgwall auf einer gut geschützten natürlichen Sanddüne, die damals von feuchten Niederungen umgeben war. Der Wall erreicht heute noch Höhen zwischen 2 bis 5 m.  Vermutlich verfügte die Burg über trockene Grabenanlagen, die innen und außen am Wall verliefen. Hier wurde Erde ausgehoben, die man in das hölzerne Wallsystem verfüllte. Die Burg muss einige Jahrzehnte lang bestanden haben, denn Keramikfunde des Feldberger- und Fresendorfer Typs belegen eine Nutzung des 9. bis 10. Jahrhunderts. In dieser Zeit muss die Burg einige Male ausgebaut worden sein, was für eine ständige Besiedlung spricht. Die Burg diente sicher einem hohen slawischen Adel, der hier mit seinen Untertanen residierte. Ob es im Vorfeld eine offene Vorbugsiedlung gab, ist bisher unbekannt. Heute liegt das Bodendenkmal im sogenannten „Borgwald“ und wird als „Schwedenschanze“ bezeichnet.

Erhaltungszustand: sehr gut

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Neppermin

Etwa 800 m nördlich von Neppermin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) befinden sich die Überreste eines kleinen slawischen Burgwalls in Halbinsellage. Im Volksmund ist dieser Platz auch als "Schwedenschanze" bekannt. Der Wall hatte ursprünglich einen kreisrunden Durchmesser von 40 m bis 50 m und entspricht damit dem "Typ Tornow", der überwiegend in der mittelslawischen Epoche des 9./10. Jahrhundert existierte. Im Vorfeld solcher Burgen lagen fast immer leicht befestigte Vorburgareale, in denen die Handwerker ihre Werkstätten hatten. Die bis zu 4 m hohen Wallreste sind heute mit wenigen Bäumen bestanden. Interessanterweise war die Burg bis in das 12. Jahrhundert besiedelt. Auf einer Anhöhe oberhalb der Befestigung wurde ein spätslawisches Körpergräberfeld mit reichen Schwertbeigaben entdeckt. Möglicherweise wurden die ehemaligen Burgherren hier bestattet.

Erhaltungszustand: gut

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Usedom

"Bauhof"

Nordöstlich der Altstadt von Usedom liegen die Wallreste einer großen slawischen Burganlage des 11./12. Jahrhunderts. Das alte Burgareal führt heute den Flurnamen "Bauhof". Mit etwa 380 m Durchmesser stellte diese slawische Niederungsburg die bedeutendste Burgstadt der spätslawischen Epoche im heutigen Vorpommern dar. Die Ursprünge dieser befestigten Siedlung vermutet man in der späten mittel- bis frühen spätslawischen Zeit (etwa um/nach 1000). Die Slawen errichteten die Anlage auf einer natürlichen Landzunge, die im Osten und Westen durch heute stark verlandete Seen geschützt war. Besondere historische Bedeutung hat dieser Ort durch die Missionsreisen des Bischofs Otto von Bamberg in den Jahren 1124 und 1128. Er bekehrte zu jener Zeit die slawischen Burgfürsten zum Christentum. Begrenzte archäologische Ausgrabungen kamen zu dem Ergebnis, dass diese Burgstadt in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine große politische, militärische und kultische Bedeutung gehabt haben muss. Durch einen nahen Naturhafen, der über die Peene und das Stettiner Haff mit der Ostsee verbunden war, entwickelte sich der Ort im Laufe der Zeit zu einem überregionalen Herrschafts- und Wirtschaftszentrum. Im Burgwall konnte man Teerproduktion, Geweih- und Knochenbearbeitung, Kammacherei, Buntmetallverarbeitung, sowie die Eisen- und Glasbearbeitung nachweisen. Aus Bernstein stellte man zudem Perlen, Wirtel und Anhänger her. Im Umfeld des Burgwalls bestanden mehrere offene Siedlungen, z.B. am "Mühlenberg", am "Priesterkamp", in der "Amtswiek" und am "Paschs Acker". Vor Ort wurde auch eine eigene Variante der Keramik vom "Teterower Typ" gefertigt. Der Fernhandel ließ sich anhand von importierten Schnallen, Schreibgriffeln, Fibeln, Schieferwetzsteinen, Warzenklappern usw. nachweisen. Funde von Waageteilen und Wägstücken bezeugen die Anwesenheit von Händlern. Um das Jahr 1200 wurde im Südteil der slawischen Burg eine neue kleine Burg integriert. Sie wurde vermutlich von pommerschen Herzögen angelegt. Heute trägt diese Burg den Flurnamen "Schlossberg". Diese Burg diente bis in das 17. Jahrhundert durchgehend als Sitz der jeweiligen pommerschen Herzöge. Das Gelände der alten slawischen Burg diente vermutlich als Vorburgareal des "Schlossberges". Im 19. Jahrhundert wurde auf dem Plateau des "Schlossberges" ein Denkmal in Form eines Kreuzes errichtet. Es ist noch heute vorhanden und soll an die Christianisierung der slawischen Burgfürsten erinnern.

Erhaltungszustand: mittel

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Stolpe

Google Luftbild mit deutlich erkennbarer Hauptburg von etwa 120 m Durchmesser samt Außengraben

Etwa fünf Kilometer östlich der Stadt Usedom befand sich eine spätslawische Burganlage auf der heutigen Gemarkung von Stolpe. Durch Ackerbewirtschaftung ist die Befestigung leider komplett abgetragen worden. In früheren Luftbildern von Google Earth war deutlich zu erkennen, dass es sich um eine zweigliedrige Burg handelte. Eine ovale, fast viereckige Hauptburg wurde südlich von einer befestigten Vorburg bogenartig umgeben. Die Nord-Süd Ausdehnung allein der Hauptburg betrug demnach gute 120 m samt Grabenanlagen. Die Hauptburg ohne Außengraben dürfte gute 90 m Durchmesser gehabt haben. Heute wird die alte Burgstelle auch als "Schloss-Wall-Platz Usedom" bezeichnet. Über den Burgwallplatz führen heute die Mäste einer modernen Stromkabeltrasse.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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